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Von Senegal über Gambia nach Guinea Bissau



In Dakar herrscht geschäftiges Treiben. Im Zollamt beim Hafen lassen wir unser Carnet abstempeln und machen uns nach einem kurzen Gespräch mit einem sénégalesischen Schwaben auf die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Nach mehreren Fehlschlägen begeben wir uns schließlich nach Norden auf einen direkt am Meer gelegenen Stellplatz eines Hotels, wo wir von unserem holländischen Freund Gee und seinem Hund Thimba begrüßt werden. Noch am Abend erleben wir unser Highlight: Beim Spaziergang zum Flughafen durchqueren wir eine kleine Einkaufspassage und werden Zeugen der afrikanischen Fußballleidenschaft. In sämtlichen Geschäften läuft Championsleague, laut und emotional wird ladenübergreifend das Spiel kommentiert. Wir werden herzlich in einen kleinen Verkaufsstand eingeladen, wo wir auf engstem Raum aber in einzigartiger Atmosphäre gemeinsam dem Spiel Barcelona – Manchester City folgen.

Die zwei weiteren Nächte verbringen wir, als ein Kompromiss aus Stadtnähe und Sicherheit, in Einverständnis mit dem Wachpersonal auf dem Parkplatz einer modernen Shopping-Mall amerikanischen Vorbilds. Von der Hauptstraße aus, welche uns von dort in die Innenstadt führt, erhalten wir eine Vielzahl interessanter Impressionen: Scharen von Sporttreibenden am Strand und an öffentlichen Fitnessplätzen, traditionell anmutende Märkte neben bunt bemalten Fischerbooten, Luxushotels am Meer und Wohnviertel in authentischem Dolce Vita Stil. Eines von Dakars Zentren ist der Place de l’Independence, bei dem das europäische Dakar auf das afrikanische trifft. In Fußnähe von hier befinden sich einerseits Hotels und Restaurants mit einem hohen Anteil europäischer Touristen und Geschäftsleute, gleichzeitig aber auch eine Vielzahl an kleinen Straßenständen, welche Sandwiches und Tee anbieten sowie ein historisches Marktgebäude mit einer riesigen Auswahl von Obst, Gemüse, Fleisch und Fisch.

Unser erstes offizielles Treffen erfolgt am frühen Abend mit Stéphane, gebürtigem Gabuner und Gründer eines Verkaufsportals für Eintrittskarten verschiedener regionaler Events – speziell angepasst auf den afrikanischen Markt. Wir werden von ihm zum CTIC geführt, einem Inkubator mit Sitz in Dakar. Dort erzählt uns Stéphane, wie er mit seiner Idee beim lokalen Startup Weekend den letzten Platz belegte, und im Anschluss als Einziger in das CTIC Programm aufgenommen wurde – im Gegensatz zur Jury war man hier von seinem Vorhaben überzeugt. Gemeinsam setzen wir uns im Anschluss mit einem Tee auf den Place de l’independence und unterhalten uns über das Leben im Sénégal. „The internet will change Africa“ sagt Stéphane, und untermauert seine These mit dem Beispiel der Bezahlung von Rechnungen. Er erzählt, wie die Menschen im Sénégal Monat für Monat mit dem Bus zum Amt fahren und dort den halben Tag warten müssen, um schließlich vor Ort ihre Stromrechnungen zu bezahlen – volkswirtschaftlich entstehe so ein gewaltiger Schaden. Andere Länder in Afrika seien da schon weiter, und ermöglichen etwa das Bezahlen per Smartphone.

Nach einem Umzug auf einen bewachten Parkplatz gegenüber einer Großbaustelle direkt am Meer, haben wir am nächsten Mittag wieder eine Verabredung, diesmal mit Yann, dem Leiter des CTIC, sowie Eva, der PR-Managerin. Wir lernen, dass es sich bei ihrem Inkubator um den einzigen in ganz Westafrika handelt, weitere Standorte aber geplant sind. Gefördert von der GIZ, besteht das Konzept des Programms darin, ein Startup-Portfolio als Investitionsobjekt für große Unternehmen zusammenzustellen, da das Vertrauen in einzelne innovative Projekte im Sénégal noch sehr gering ist. Uns werden zudem Babacar und sein Mitgründer vorgestellt, gemeinsam haben sie die Internetseite Concree ins Leben gerufen. Motiviert durch die Tatsache, dass in Netzwerken wie Facebook zwar jeder jeden kennt, aber niemand wirklich weiß, was seine Kontakte für Know-How besitzen, möchten sie mit ihrem Vorhaben genau auf dieser Grundlage junge Menschen mit Ideen vernetzen. Gleichzeitig bieten sie auf ihrer Seite Werkzeuge zur Erstellung eines Geschäftsplans oder Informationen zu rechtlichen Formalitäten einer Unternehmensgründung an.

Im Anschluss essen wir ein Baguette mit Ei – „Mburu Aknen“ in lokaler Sprache – in unserem Stammlokal: Einem orange bemalten Sprinter, von Tag zu Tag unterschiedlich besetzt mit einer Handvoll gut gelaunter Menschen. Wir meinen, hier den besten Sandwich der Stadt zu bekommen. Zum Abschied machen wir am letzten Tag noch ein Foto inklusive Balde, dem Betreiber. Vor unserer Abreise in Richtung Süden besuchen wir noch einige touristische Ziele: Die „Sklaveninsel“ Gorée, früher ein bekannter Verschiffungsort für afrikanische Sklaven, wo uns bei einer Führung die erschreckende Vergangenheit der Insel geschildert wird, den westlichsten Punkt des afrikanischen Festlands in Dakar sowie den Sonntagsgottesdienst in einem Benediktinerkloster in Ker Moussa, der uns mit ungeahnter Fröhlichkeit und Beschwinglichkeit begeistert.

Es geht weiter nach Gambia, ein Land welches sich, völlig umschlossen vom Senegal, entlang des Gambia Flusses erstreckt. Mit nur wenigen Stopps erreichen wir die Grenze bei Farafenni. Ohne größere Schwierigkeiten finden wir uns auf der anderen Seite wieder. Bei der anschließenden Fährfahrt über den Fluss haben wir unfassbares Glück. Minutenlang lassen uns die Einweiser in dem Glauben, als erstes Fahrzeug nicht mehr auf die Fähre zu passen. Die Aussicht auf eine weitere Wartezeit unbekannter Länge lässt uns erschaudern. Bis sich plötzlich eine kleine Lücke auftut und wir als definitiv letztes Auto auf das Boot gewunken werden. Die folgenden Tage im „Sukuta Camping“ in der Nähe von Banjul nutzen wir für Administratives und um durchzuschnaufen.

Unser nächstes Ziel: Guinea-Bissau. Das kleine Land erlangte in der Vergangenheit fragwürdige Berühmtheit, nachdem seine Regierung einem kolumbianischen Drogenkartell seine Flughäfen als Umschlagspunkt für Kokaintransporte nach Europa zur Verfügung stellte. Zudem ist das Land nach einem Militärputsch im Jahr 2012 faktisch eine Militärdiktatur. Als wir die Grenze überschreiten, ist von alldem vorerst nichts zu spüren – in Reiseführern gilt das Land als eines der sichersten in ganz Afrika. Die Menschen machen einen gemütlichen Eindruck, nur die Verständigung ist aufgrund der portugiesischen Amtssprache schwierig. Dennoch gelingen die Grenzformalitäten mit überschaubaren Spanischkenntnissen sowie Händen und Füßen problemlos.

Die Weiterfahrt in Richtung der Hauptstadt Bissau führt uns durch verschlafene Ortschaften und aufdringliche Polizeikontrollen. Als wir ankommen, parken wir im Hof des Restaurants Almagui. Es wird von einem Deutschen geführt, der in der Vermietung von Stellplätzen einen lukrativen Zuverdienst erkannt hat. Wir zahlen einen fairen Preis, zumal wir später erfahren, dass Übernachtungen in Bissau sehr teuer sind. Es gibt nur eine stark begrenzte Anzahl an Hotels und die Mitarbeiter der ansässigen, ausländischen NGOs treiben den Preis in die Höhe. Wir freuen uns über die gemütliche Unterkunft und blicken gespannt auf die berühmten Karnevalsumzüge in den kommenden Tagen – schon jetzt herrscht merklich Stimmung auf den Straßen in Bissau…

Ein Kommentar zu “Von Senegal über Gambia nach Guinea Bissau

  1. Achim

    Ihr schreibt sehr farbenfroh und empathisch, super zu lesen. Gerne mehr davon. Weiterhin good luck. Liebe Grüsse aus der Heimat. Wie habt ihr das inzwischen mit dem Schlafen und den Füßen geregelt ;-))))))) Achim